Hitze II – Luxus

Seit Tagen ist es über 30°C. Ich lasse morgens die Jalousien herunter in dem Versuch, die Wohnung möglichst kühl zu halten, was nicht wirklich gelingt. Die Sonne hat kein Erbarmen und heizt einfach alles auf. Ich entscheide mich dazu, ins Freibad zu fahren. Zwei große Becken mit kühlem Nass liegen vor mir. Zu dieser Stunde ist es auch noch nicht so voll. Die obligatorische Dusche vor den Becken, die ich sonst scheue, weil sie immer so kalt ist, ist heute herrlich erfrischend. Das Wasser in den Becken fühlt sich nur minimal kühler an als die Luft. Ich schwimme meine erste Runde und spüre, wie sich das kühle Nass wohltuend auswirkt und meinen ganzen Körper angenehm abkühlt. Ich bin dankbar für den Luxus, dass wir immer noch Freibäder haben.

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Care-Kochen

Es ist üblich, dass Kolleg*innen, die in den Sommerferien Geburtstag hatten, zur ersten Dienstbesprechung etwas für ein gemeinsames Buffet mitbringen. Letztes Jahr hatte ich eine Zucchini-Quiche gemacht. Als wir am Buffet standen, fragte mich die Schulleiterin, ob ich den Boden selbst gemacht hätte. Nein, der sei gekauft, sagte ich, aber die Zucchini seien aus meinem Garten. Sie nahm sich nichts von meiner Quiche. Nun war es wieder so weit, die erste Dienstbesprechung nach den Ferien stand vor der Tür. Zusammen mit den anderen Geburtstagskindern im Kollegium hatten wir uns wieder zu einem Buffet verabredet. Diesmal hatte ich die Zucchini-Quiche einfach ohne Boden gemacht. Wieder am Buffet, teile ich der Schulleiterin das mit und füge hinzu, dass ich das extra für sie gemacht hätte. Sie schaut mich völlig überrascht an … nimmt ein Stück und lächelt mich dann an.

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Die Samen

Die Samen der verschiedenen Tomatensorten sehen beim bloßen Augenschein alle gleich aus. Auch wenn sie keimen und das erste Grün sprießt, unterscheiden sie sich nicht. Sogar wenn sie wachsen und größer werden, ist zumindest für mich noch kein Unterschied festzustellen. Und die Blüten, die sie zu bilden anfangen, sehen für mich als Laien auch alle gleich aus. Die ersten Früchte sind erst einmal alle grün. Erst wenn die Früchte größer werden, bilden sich Formen hervor, mal rund, mal oval, mal unförmig. Und dann, wenn sie reif werden, unterscheiden sie sich schließlich ganz deutlich in ihren Rotfärbungen und am Ende auch in ihrem Geschmack. Wie groß die Variationen sind und wie herrlich unterschiedlich!

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Liebeserklärung

Wir lernen uns auf einem Trainer*innentreffen kennen, an dem sie mit ihrem Mann teilnimmt. Am 2. Tag machen wir eine Übung zusammen, in der ich offen über ein persönliches Thema berichte. Sie begleitet mich mit Wärme und Wohlwollen. Dass Deutsch offenbar nicht ihre Muttersprache ist, stört mich nicht im Geringsten. Ich finde, sie ist eine sehr schöne Frau und ich traue mich auch, ihr das zu sagen. Sie errötet und meint, so ein Kompliment habe sie schon lange nicht mehr bekommen. Bei den Mahlzeiten sitzen wir immer mal wieder zusammen und unterhalten uns. Wir begegnen uns bei den unterschiedlichsten Workshops. In einem, den sie leitet, biete ich mich an, als sie der Gruppe eine Partnerübung demonstrieren will. In einem anderen Workshop sind wir zusammen in einer Dreiergruppe und machen die angebotenen Übungen. Wiederum begleitet sie mich mit Wärme und Wohlwollen. Beim anschließenden Austausch sagt sie zu mir: „Ich liebe dich.“ Ich höre die Worte und stutze. Das kann ich kaum glauben, habe ich doch viel von einigen meiner Unzulänglichkeiten gezeigt. Da schenkt mir ein Mensch, den ich vor 5 Tagen noch nicht kannte und der so gar keine Absichten hat, mich nicht bedrängt, der nicht fordert, einfach so Liebe? Ich spüre erst viel später die Wirkung, die diese Worte auf mich haben.

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Rente – und dann?

Noch ein Jahr, dann gehe ich in Rente. Ich freue mich, dass das Arbeiten in der starren Struktur der Schule in absehbarer Zeit ein Ende haben wird. Ich werde weiterhin Seminare anbieten und im Sommer werde ich alle Zeit für den Garten haben. Nur, was mache ich von November bis März, in der dunklen Jahreszeit, wenn der Garten ruht? Vor dieser Zeit graut mir. Auf dem Trainer*innentreffen wünsche ich mir Unterstützung dazu. Eine Kollegin bietet mir einen Prozess zu diesem Thema an. Als wir uns zur vereinbarten Zeit treffen, legt sie verschiedene Bodenanker aus. Sie begleitet mich mit Fragen, während ich den Parcours durchlaufe. In der zweiten Runde stellt sie mir neue Fragen. Ganz fein spüre ich eine Veränderung in meinem Körper, die ich noch nicht benennen kann. Etwas Leises entwickelt sich. Es taucht eine Leichtigkeit auf. Ja, eine Lust darauf, Neues zu entdecken. Ich kenne mich als Lehrerin. Ich kenne mich als Gärtnerin. Und ich kenne mich als Seminarleiterin. Und wer bin ich noch? Ich beende den Prozess heiter und gelöst und mit Neugier auf die Rente.

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Nur sein

An einem Nachmittag des Trainer*innentreffens sitze ich etwas abseits auf der Terrasse. Einige sitzen an Tischen und unterhalten sich. Andere nehmen an einem Workshop teil, vielleicht haben sich auch einige in ihr Zimmer zurückgezogen. Ich sitze und genieße die Stimmung. Es gibt gerade nichts zu tun.

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Redeanteil

Wir sind zu einem mehrtägigen Treffen zusammengekommen, 42 Frauen und 13 Männer. Es ist der erste Tag, gesammelt wird, wer etwas anbieten will und wer bei einem Thema Unterstützung möchte. Alle Angebote werden an Pinwänden aufgehängt. Dann geht es darum, was davon jetzt am Vormittag angeboten wird. Es geht rasant zu — ein Mann macht einen Vorschlag, ein anderer ergänzt, ein Dritter widerspricht. Es geht hin und her zwischen den Männern. Als das Programm für den Tag am Ende feststeht, haben nur Männer geredet. 1/4 der Teilnehmenden haben 90 % der Redezeit beansprucht. Warum übernehmen die Männer so selbstverständlich die Führungsrolle? Und warum schweigen wir Frauen so oft dabei?

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Trainer*innentreffen

Ich fahre zu einem GFK-Trainer*innen-Treffen. Ich freue mich, einige Menschen zu treffen, die ich schon kenne und neue kennen zu lernen. Wir kommen nacheinander an, checken ein und treffen uns im Speisesaal bei Kaffee und Kuchen. Wir stellen einander vor und plaudern. Um 15 Uhr ist der offizielle Beginn. Durch Spiele lernen wir einander kennen. Dann treffen wir uns in der große Halle und sammeln alle Themen, die wir anbieten oder zu denen wir ein Angebot haben möchten. Der nächste Tag beginnt mit einer kleinen Übung und dem Strukturieren der Tagesangebote. Es wird einiges parallel angeboten. Wo zieht es mich hin?
Ich gehe zu den Angeboten, die mich am meisten ansprechen, lerne die Teilnehmenden besser kennen und lerne auch etwas über mich selbst. In den Pausen führen wir Gespräche weiter, die zuvor angeregt worden sind. Zu den Mahlzeiten sind alle an allen Tischen willkommen. Nirgendwo „stört“ jemand. Jede wird in Gespräche integriert oder stößt selbst ein Gespräch an, das in der Tischrunde aufgenommen wird. Menschen stehen auf, neue kommen hinzu. Ich mache eine Pause und komme zu einem Angebot später hinzu. Dort werde ich fließend integriert. Während des Treffens lerne ich manche Menschen intensiver kennen und wir umarmen uns immer mal wieder, wenn wir uns begegnen.
Nach fünf Tagen fahre ich zufrieden und aufgetankt nach Hause. Wie lange das wohl halten wird?

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Das Taschentuch

Ich besuche eine Freundin in einer anderen Stadt. Es ist ein heißer Tag, ich trage einen Rock. Der Rock hat keine Taschen. Die Schlüssel habe ich im Rucksack, das Stofftaschentuch klemme ich in den Rockbund. Jedes Mal, wenn ich auf Toilette gehe, achte ich darauf, dass das Taschentuch gut eingeklemmt ist. Wir schlendern durch die Stadt und nehmen dann den Bus nach Hause. Dort merke ich, dass ich das Taschentuch verloren habe. Oh, wie schade! Ich habe genug Taschentücher, aber ich hänge an allen, weiß ich doch, wann und wo ich sie gekauft habe. Ich denke kurz darüber nach, die Wege in der Stadt noch einmal abzulaufen. Wie groß ist wohl die Chance, mein Taschentuch wiederzufinden? Gering, denke ich, sehr gering. Ich lasse es los. Später am Nachmittag radle ich mit ihrem Rad zum Freibad. Unterwegs fällt mein Blick fällt auf den Boden und was liegt da? Mein Taschentuch.

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Hitze I

Alle Räume in der Schule sind für Kälte ausgestattet und haben einen Heizkörper. Gegen die Hitze gibt es nichts, keine Kühlung, nicht einmal Ventilatoren. Mein Raum ist auf der Südseite und es fühlt sich dort an wie im Backofen. Im Juni, am Schuljahresende, als es bis zu 40°C waren, war kein Unterricht mehr möglich und wir waren mit den Schüler*innen oft draußen im Park. Wie wird es nun zum Schuljahresanfang, wie soll bei über 30°C ein normaler Unterrichtsablauf stattfinden?

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